Enzyklopädie meines privaten Weltwissens


A wie Alter


Klüger altern – Die sieben goldenen Regeln 
 
Erste Regel: Lassen Sie sich keine Regeln vorschreiben! Noch nie gab es so viele Besserwisser wie heute. Was wir nicht alles tun oder lassen müssen, um zufriedener, schöner, gesünder zu altern! Vergessen Sie es! Kein Seepferdchen für Senioren, kein Sprachkurs in Alzheim, kein Tantra für Tattrige. Das wahre Glück des Alters: Sie müssen gar nichts mehr müssen. Altwerden heilt vom Jugendwahn. Also tun Sie nichts, was Sie nicht tun wollen. Niemand kann Sie zu gar nichts mehr zwingen. Verweigern Sie den Wettbewerb. Leben Sie sorgloser!  „Ich werde nicht alt“, wird sich mancher in den siebziger Jahren gedacht haben, als die Erde auf dem Kopf stand und selbst seriöse Propheten wahrsagten, dass wir in naher Zukunft ohne Öl im sauren Regen stehen werden, weil der kalte Krieg unweigerlich im nuklearen Winter enden wird. Keine der düsteren Vorhersagen wurde wahr. Sicher, die Welt steht immer noch Kopf, dennoch versprechen uns die Statistiker, dass wir alle deutlich älter werden, als wir es je hoffen konnten. Wir hier in diesem Land haben sehr viel Glück in dieser Zeit, an diesem Ort zu leben. Noch nie in der Menschheitsgeschichte war für so viele Menschen die Chance so groß, gesund zu altern - wenn das Schicksal uns von Krankheiten verschont. Da hilft es vorzubeugen. Aber dafür braucht es keine dicken Ratgeber. Die wichtigsten Empfehlungen der Altersforschung lassen sich in wenigen Sätzen zusammenfassen. Gehen Sie regelmäßig zum Arzt. Essen Sie, was Sie wollen, nur nicht zu viel. Trinken Sie, was Sie wollen, nur nicht zu viel. Verzichten Sie aufs Rauchen und aufs Nörgeln. Gehen Sie jeden Tag eine halbe Stunde spazieren, und schon sind Ihnen mehr Lebensjahre geschenkt, als Sie je für möglich hielten. Die entscheidende Frage: Was fangen Sie mit den vielen gewonnenen Jahren an? Glaubt man den Jungen, ist das Alter eine sehr düstere Zeit, in der sich seniorengesteuerte Roboterrollatoren um die letzten Pflegeplätze balgen. Lassen Sie sich keine Angst machen, da ist viel Neid im Spiel. Altern wird viel zu häufig als Problem begriffen, aber nur jeder Siebte hierzulande ist von Armut bedroht, nur jeder Zehnte der über Neunzigjährigen wird dement. Die Armut, die alle angeht, ist die seelische Armut. Die schlechte Nachricht: Viel zu viele Menschen fühlen sich im Alter einsam. Die gute Nachricht: Sie haben immer noch sich selbst. 
 
Zweite Regel: Lernen Sie sich erst mal richtig kennen. Dafür hatten die meisten in ihrem Leben noch gar keine Zeit. Sie werden älter, als Sie denken, aber das bedeutet noch lange nicht, dass Sie jung bleiben. Wenn manche Alte jünger wirken als viele Junge, dann hat das nichts mit der Zahl ihrer Lebensjahre zu tun. Weder die Seele noch die Vernunft sind jung oder alt. Alt wird, wer stur wird. Sturheit ist eine Verholzungserscheinung des Hirns. Das Altern beginnt immer zuerst im Kopf. Sie wollen wissen, wie alt Sie wirklich sind? Machen Sie den kleinen Senilitätscheck! Beantworten Sie bitte die folgenden drei Fragen wahrheitsgemäß: Sie reden zu viel und hören ungern zu? Sie wissen alles besser? Sie lachen nur noch über andere und nicht mehr über sich selbst? Sie haben drei Mal mit „ja“ geantwortet? Dann sind Sie alt. Kein Problem, machen Sie den Test einfach noch mal. Keiner von uns ist so klug, als dass er nicht ab und an in senile Denkfallen tappt. Deswegen halten Sie ein wenig Abstand zu sich selbst: Sie werden älter, als Sie denken – wenn Sie denken. Vor allem vermeiden Sie es, einen falschen Maßstab anzulegen: Ältere sollten sich an Älteren orientieren, nicht an Jüngeren. Das Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit macht schlechte Laune und lässt vorzeitig altern. Wenn Sie selbst ungern denken, wählen Sie sich die richtigen Vorbilder! Statt frühmorgens Aerobic mit Jane Fonda trinken Sie lieber nachmittags Tee mit Miss Marple! Verzichten Sie auf den glutenfreien Sojashake mit Brigitte Bardot und laden Sie sich lieber bei Miss Sophie zum „Dinner for Two“ ein. Was Sie von den beiden alten Damen lernen können? In Würde zu altern. Gerade Männer neigen dazu, mit Sneakers ins Seniorenheim zu stürmen, wo sie dann stundenlang „Forever Young“ trällern, weil ihnen keine andere Liedzeile mehr einfällt. Machen Sie sich nicht lächerlich - es sei denn, Sie haben Ihren Spaß daran.  


Dritte Regel: Vertrauen Sie Ihren Kindern. Aber vertrauen Sie ihnen niemals Ihr Geld an. Sie kennen die Geschichte von König Lear? Ein Mann, drei Töchter, ein Königreich und ein massives Erbfolgeproblem: Die Töchter, die ihn umschmeicheln, belohnt er mit seinem Erbe; die Tochter, die ihn wirklich liebt, verstößt er. Die Folgen sind bekannt: Er wird wahnsinnig, und die Welt versinkt im Chaos. Warum stellt sich König Lear so dumm an? Er hat Angst vor der Einsamkeit. Also glaubt er, sich Liebe kaufen zu müssen. Gekaufte Liebe ist immer noch besser als gar keine, denkt er. Eine Narrheit, wie ihm sein Hofnarr klarmacht: „Du hättest nicht alt werden sollen, eh Du klug geworden wärst.“ Wer sich nicht mit dem Altern auseinandersetzt, läuft 

Gefahr, sich zum Narren zu machen. Weil man sich von Schmeicheleien betrügen lässt. Weil man sich und andere mit seinen Problemen wahlweise mit seinen gewesenen Erfolgen langweilt. Beharren Sie nicht auf dem, was war. Es gibt so vieles im Leben eines Menschen, was andere nicht interessiert, niemals interessieren wird. Namen einstiger Berühmtheiten, die er oder sie kannte. Stationen einer Karriere, die niemand mehr abgehen will. Ruhm, der längst vergangen ist. All die falschen Freunde, die spurlos untertauchten, als es nichts mehr zu holen gab. Was soll‘s? Im Alter zählen nicht die gewesenen Tage, davon gibt es genug. Im Alter zählt nur eins: Die vielen guten Tage, die noch vor Ihnen liegen. Die sollten Sie genießen können. Verlieren Sie sich nicht in der Vergangenheit. Tauschen Sie so viel Besitz gegen Leben, wie Sie nur können.  


Vierte Regel: Altern will gelernt sein. Ihr wichtigstes Organ dabei: Der Kopf. Es ist wie im Judo: Sie müssen die Kraft des Gegners aufnehmen und zur eigenen Stärke machen. Sie werden langsamer – weniger Hektik. Sie hören schlechter – weniger Geschwätz. Sie werden vergesslicher, umso weniger Erinnerungen bedrücken sie. Sie können nicht mehr reisen, dann lesen Sie Reisebücher. Sie können nicht mehr tanzen, schenken Sie Ihrem Enkel einen Tanzkurs. Jedes Gebrechen können Sie ein wenig zum Guten wenden. „Aber doch nicht schlimme Krankheiten!“, werden viele einwenden. Manchmal schon - lesen Sie bei Thomas Mann im „Zauberberg“ nach, wie geistig heilsam fiebrige Infekte sein können! Wann immer Sie glauben, es geht Ihnen schlecht, greifen Sie zu einem Buch. Bücher geben Ihnen die Kraft, Ihr eigenes Leben in einem ganz neuen Licht zu sehen. Das ist keine Zauberei. Fragen Sie Harry Potter! Sie wollen kein Buch lesen? Dann lesen Sie Ihr Horoskop, aber nur, wenn es gute Tage verspricht. Glaube versetzt Berge, Aberglaube auch. Da müssen Sie nicht wählerisch sein. Glauben Sie an das, was Ihnen guttut. Warum nicht auch an den lieben Gott? Miss Marple hatte noch im hohen Alter die Kraft, selbst schwierigste Kriminalfälle zu lösen, obwohl oder vielleicht gerade, weil sie von allen Jungen unterschätzt wurde. Auf die Gretchenfrage nach dem Grund ihrer unerschütterlichen Zuversicht, stets das Richtige zu tun, antwortete sie gewohnt hintersinnig: „Der liebe Gott hat nie an mir gezweifelt, insofern wäre es unhöflich an ihm zu zweifeln, nicht wahr?“ Klingt naiv? Bleiben Sie naiv! Wenn Sie an nichts mehr glauben, wenn Sie über nichts mehr staunen, sind Sie alt. Die einzige wahre Formel ewiger Jugend ist die von Albert Einstein: „Alt werden – Kind bleiben“.   


Fünfte Regel: Sie sollten sich beizeiten ein Happy End für Ihr Leben ausdenken. Warum? Weil es eintreten könnte. Was unweigerlich eintritt, wenn Sie nicht an ein Happy End in Ihrem Leben glauben?! Sie geben auf, oder klein bei, oder verabschieden sich in eine Traumwelt oder werden verabschiedet, weil der Schatten der Mutlosigkeit auf Ihnen liegt. „Ich freue mich siebzig zu werden, denn die Alternative wäre ja, nicht siebzig zu werden.“ Keine Schönrednerei. Niemand wird von Verlusten verschont. Auch Sie nicht. Deswegen müssen wir beizeiten umdenken lernen. Mit das Traurigste, was uns im Leben geschehen kann, ist, dass es uns nur auf eine Rolle festlegt und alle anderen Träume zunichtemacht. Nichts trostloser, als mit neunzig noch den Playboy oder die Diva oder den Rockstar geben zu müssen. Armut ist: Lebenslang nur eine Rolle spielen zu dürfen. Altern ist die Aufforderung, sich selbst neu zu erfinden. Klammern Sie sich nicht an Ihr Ego! Üben Sie sich in Gedankenspielen. Je immobiler die Gelenke, desto mobiler sollten die Gedanken sein. Ihre Träume und Wünsche müssen nicht alle wahr werden, aber sie sollten doch zumindest geträumt worden sein. Jeder darf sein Leben einmal als Märchen erzählen, als Komödie, als Tragödie, als Liebesdrama. Durchspielen Sie alles in Gedanken, das befreit auf ungefährliche Art vom Erwartungsdruck, sich im wirklichen Leben allzu viel abzuverlangen. Phantasieren Sie sich ihr Leben als die Schöne oder das Biest, als Dr. Jekyll oder Mr. Hyde. Könnte sein, dass die kriminelle Vita die aufregendere ist. Aber ich bin sicher, irgendwann denken Sie sich nein, viel zu nervenaufreibend das Leben als Serienmörder, und Sie stellen fest: Die Rückkehr zur Normalität ist eigentlich der schönste Spaziergang im Leben. Die Füße wollen nicht mehr so, wie Sie wollen? Sie können nur noch mühsam außer Haus gehen? Es gibt keine Freunde mehr, die zu Ihnen kommen könnten? Wenn es um Sie herum immer einsamer wird, laden Sie eben all Ihre Freunde in Gedanken zu sich nach Hause ein. Machen Sie es wie Miss Sophie. Nicht der Butler ist der Held im „Dinner for One“, der ist die komische Figur. Miss Sophie ist es, die alle Fäden in der Hand hält. Sie ist die Regisseurin ihres eigenen Stücks. Die Frage des glücklichen Alterns ist die Frage danach, wie Sie bis zuletzt die Oberhand behalten, auch wenn alle Sie im Stich lassen. Miss Sophie hat die Antwort gegeben: Wer zuletzt lacht, lebt am längsten.  


Sechste Regel: Es ist nie zu spät, sich zu verlieben. Die Liebe ist das schönste Gedankenspiel. Das können Sie auch mit siebzig, mit achtzig, mit neunzig noch spielen. Lassen Sie sich da von Ihren Kindern oder Enkeln nicht altklug reinreden. Für die ist Liebe selbstverständlich. Für den, der altert, ist sie ein Wunder. Alles scheint grau, alles scheint sinnlos, da tritt der Mann, die Frau in ihr Leben, die alles in einem neuen Licht erscheinen lassen. Das Schicksal kann sehr kitschig sein. Keine Angst vor Kitsch! Das ist der Goldrand Ihres Lebensbildes. Immer besser, wenn Sie zu zweit darauf lächeln. Das Schlimmste im Alter, darüber herrscht seltene Einigkeit, ist die Einsamkeit. Wir können noch so lange in den Spiegel blicken, es wird uns nicht wirklich froh machen. Wir brauchen ein Gegenüber, um uns wirklich sehen zu können. Also gehen Sie tanzen, geben Sie Kontaktanzeigen auf, twittern oder tindern Sie, aber bitte altersgerecht, oder sprechen Sie einfach wildfremde Menschen an – was kann Ihnen schon passieren? Ich lasse mich lieber belächeln als beerdigen.  


Siebte Regel: Schreiben Sie Ihren eigenen Nachruf. Bevor andere sich über Sie das Maul zerreißen, oder Sie gar totschweigen wollen, schreiben Sie auf, was Sie bewegt und beglückt hat im Leben. Machen Sie es kurz, drei Seiten reichen, aber seien Sie ehrlich! Einmal im Leben dürfen wir ehrlich sein. Begleichen Sie alle offenen Rechnungen. Das verschafft Luft. Wer bin ich, wer war ich, wer wollte ich sein. Was bleibt noch zu tun, um die Fragen zufriedenstellend beantworten zu können?  Erzählen Sie Ihre eigene Geschichte, damit Sie anderen in Erinnerung bleibt, vor allem aber auch, damit Sie sich selbst erinnern. Die Zeit zerfließt so schnell zwischen den Händen. Die Menschen erinnern sich an immer weniger. Aber kein Mensch der Welt hat es verdient, vergessen zu werden. Also machen Sie sich bemerkbar. Denn mit das Beste, was Sie im Leben hinterlassen können, ist ein Lächeln im Gesicht derer, die an Sie denken.  


https://www.magentacloud.de/lnk/kAsSYb6S

Zuerst erschienen in: Gesund im Alter. Tagesspiegel Berlin 2019

 

 

 

 

 

 

 




 

 

 

 


 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 









B wie Blei, Franz



F wie Freundschaft



G wie Golf



H wie Humor



I wie Ibiza



L wie Lebensfragen


Die zehn wichtigsten Fragen des Lebens – in aller Kürze beantwortet

I. Selbst denken oder denken lassen? 
Wann haben Sie das letzte Mal in Ruhe über sich selbst und Ihr Leben nachgedacht? Vermutlich erst nach der Katastrophe. Als der Partner schon weg war, die Mutter, der Vater gerade gestorben, die Schulfreunde längst in einer anderen Galaxis. Wir denken ungern - wir lassen lieber andere für uns denken. Der Hirnmuskel wird schlaff. Nehmen Sie es sportlich und fangen Sie langsam an. Zwanzig Minuten am Tag, das reicht! Gehen Sie spazieren, das lenkt Ihren Körper ab und sorgt für ausreichend Sauerstoff. Lassen Sie die Alltagsprobleme zu Hause. Wir trainieren unser Hirn für die falschen Aufgaben. Nicht „Wie soll ich funktionieren?“ ist die Frage der Fragen“, sondern: „Wie soll ich leben?“

II. Der Sinn des Lebens? 
Ich schreibe Nachrufe über Menschen, die gestorben sind. Keine berühmten Menschen, Helden des Alltags. Warum Helden? Weil sie gelernt haben, ihr Leben zu meistern, ohne groß von sich reden zu machen. Von diesen Menschen habe ich gelernt, was der Sinn des Lebens ist: da sein. Das stärkste Gefühl der Angehörigen, wenn sie von den Verstorbenen erzählen, ist nicht Trauer, sondern Dankbarkeit, dass es diesen einen Menschen gegeben hat. Wann waren Sie das letzte Mal dankbar? Vergessen Sie nicht: Der Tod hat es manchmal sehr eilig. Morgen können Sie diese Frage vielleicht schon gar nicht mehr stellen. Hoffentlich begreifen Sie also heute schon, wie sinnlos es ist, dem Leben mehr abzuverlangen als das Glück, da zu sein. 

III. Bin ich glücklich?
Sie sind unglücklich? Zu Recht. Sie verlangen zu viel: von sich und anderen. Woher ich das weiß? Wenn Sie es nicht tun würden, wären Sie nicht unglücklich. So einfach ist das nicht, werden Sie einwenden. Und Sie haben Recht.
Sie sind glücklich? Zu Unrecht. Sie haben auf nichts ein Anrecht. Das wird uns erst dann bewusst, wenn wir das Leben anderer Menschen teilen, denen es schlechter geht als uns. Sie wollen ihr Leben nicht mit anderen teilen? Dann werden Sie nie erfahren, ob Sie ein glücklicher Mensch waren. Denn das eigene Glück ist meist im toten Winkel unserer Wahrnehmung.

IV. Bin ich schön?
Sie gehören zu jenen Menschen, die sich immer hässlich finden? Sie glauben, dass andere immer besser aussehen, dass schöne Menschen immer glücklicher sind und glückliche Menschen immer schön. Unsinn. Wer bewundert wird von vielen, ist selten glücklich. Fragen Sie Romy Schneider, James Dean, Marylin Monroe, Lady Gaga oder eine der vielen namenlosen Schönheitsköniginnen der vergangenen Jahre. Schön ist nicht, wer von vielen geliebt wird. Schön ist, wer liebt. Sie erkennen es sofort an dem Leuchten in den Augen. Und jetzt blicken Sie bitte noch mal in den Spiegel! Wann leuchteten Ihre Augen das letzte Mal?

V. Was ist wahr, was ist falsch? 
Was liegt im Einkaufswagen Ihres Nachbarn an der Kasse? Aha, interessiert Sie nicht. Was sollte ein Analytiker oder ein Arzt oder ein Ratgeberschreiber für ein Interesse an Ihnen haben? Vor allem das eine: Kassieren. Bevor Sie anderen vertrauen – vertrauen Sie lieber ihren Eltern oder Ihren Freunden - die sollten es ehrlich mit Ihnen meinen. Sie haben da so Ihre Zweifel? Dann bleibt nur noch ein Mensch, dem Sie vertrauen können. Bevor Sie also das nächste Mal zu einem Ratgeber greifen: Denken Sie selbst.

VI. Was soll ich tun? 
Tun Sie erst mal nichts. Die meisten Leute tun so viel, dass sie vor lauter Tun gar nicht zum Nachdenken darüber kommen, warum sie es eigentlich tun. Sie tun und tun, und irgendwann kurz vor ihrem Tod, stellen sie die Frage nach dem Warum. Warum tun Sie das, was Sie gerade tun? Sie müssen die Frage nicht beantworten, aber Sie müssen sie stellen, jeden Tag neu. Sonst sehen Sie irgendwann sehr alt aus.

VII. Für wen soll ich es tun? 
Bitte nicht für andere! Alle Menschen, die dazu neigen, sich für andere aufzuopfern, fordern es irgendwann zurück - in Form von Bewunderung, Ehrfurcht, Mitleid oder Unterwerfung. Was immer Sie tun, tun Sie es für sich selbst. Denn wer mit sich selbst im Reinen ist, wird meist auch für seine Mitmenschen der angenehmere Mensch sein. 

VIII. Gibt es Gott? 
Stellen Sie die Frage niemals einem Philosophen oder Theologen. Warum nicht? Die reden zu viel. Stellen Sie die Frage lieber einem Reisenden. Noch besser: Gehen Sie selbst auf Reisen. Dann werden Sie sehen, wo überall auf dieser Welt Gott fehlt und wo überall auf dieser Welt ein Gott verehrt wird. Die Welt beherbergt sehr viele Götter. Gibt es einen von ihnen wirklich? Gibt es den einen Gott? Möglicherweise. Eine bessere Antwort kann Ihnen auch der klügste Mensch auf dieser Welt nicht geben.

IX. Wer ist mein Schutzengel?
Wenn jeder dem anderen ein wenig zur Seite stehen würde, könnten wir alle die Frage mit einem einfachen Fingerzeig beantworten. 

X. Gibt es ein Leben nach dem Tod? 
Sicher. Nur werden Sie vermutlich kaum erfahren, wer an Ihrem Grab weinen oder lachen wird. Wichtiger ist die Frage: Hatten Sie ein Leben vor dem Tod? 

Zuerst erschienen in: Salon. Das Magazin für Gastlichkeit, Tischkultur und Lebensart. Winter 2015/16
Mehr dazu in: Die zehn wichtigsten Fragen des Lebens. Köln 2014





M wie Märchen



N wie Nachrufe



S wie Scharlatane



U wie Unsterblichkeit



W wie Witz